Der Niendorfer Hafen

Heimat von Fischern und Möwen

Niendorf

Wer sich ein Fremdwörterlexikon schnappt und den Begriff „pittoresk“ nachschlägt, findet daneben ein Bild des Niendorfer Hafens. Das Wahrzeichen des kleinen Ostseeörtchens ist Postkartenromantik pur. Kleine Kutter wiegen sich im sanften Rhythmus der Wellen, bunte Wimpel wehen im Wind, Möwen machen es sich auf Holzpfählen gemütlich oder fliegen kreischend durch die Luft, in der Hoffnung, etwas vom frischen Fang der Fischer abstauben zu können. So klein der südwestlichste Ostseehafen auch sein mag, er ist nach wie vor Heimat einer aktiven Fischfangflotte, bestehend aus acht Schiffen, darunter drei Hochseekutter.
Frühaufsteher werden in den Morgenstunden Zeuge eines besonders regen Treibens. Dann macht die kleine Armada nach getaner Arbeit an den Kaimauern fest. Wie die Fischer ihre frisch erbeuteten Köstlichkeiten in bestem Platt feilbieten, sollte man sich nicht entgehen lassen. Weniger verträumt als die gemütlichen Kutter, aber dafür umso eleganter muten die Segelboote mit ihren hoch aufragenden Masten und die schnittigen Motoryachten an. Gleich zwei Yacht-Clubs befinden sich vis-à-vis des Fischereihafens. Urlauber, die nicht über das nötige Kleingeld verfügen, um mit einer Charteryacht oder dem eigenen Boot „vor Anker zu gehen“, werden mit einem traumhaften Blick auf die Lübecker Bucht entschädigt.
Die herrliche Lage war es auch, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts mehr und mehr sonnenhungrige und nicht selten gut betuchte Gäste nach Niendorf lockte. Der aufkommende Badekult kollidierte jedoch mit dem Broterwerb der Fischer. Diese nutzten damals den Strand an der Aalbeck-Mündung für die Anlandung der Boote, den Verkauf des Fangs und vor allem zum Trocknen ihrer Netze. Naturgemäß brachte das Lärm und unangenehme Gerüche mit sich. Um den Tourismus als Einnahmequelle nicht zu verlieren, wurde der Fischerei Strandverbot erteilt. Nach eifrigem Widerstand beschloss man, einen Hafen zu bauen, der neben den Fischerbooten auch Platz für Segelboote bieten sollte. Ihre Umsetzung fanden diese Pläne zwischen 1920 bis 1922 durch die künstliche Verbreiterung der Aalbeck-Mündung. Mehrfach wurde der Hafen in den Folgejahren umgebaut und modernisiert. Den Umbaumaßnahmen zum Trotz ist die Faszination des quicklebendigen Niendorfer Aushängeschilds ungebrochen.
Und so bildet der malerische Hafen heute die perfekte Kulisse für die vielen stimmungsvollen Veranstaltungshighlights im Terminkalender der kleinen Ostseeperle. Jedes Jahr im August ziehen die Hafentage Besucher mit einer bunten Mischung aus Musik, Kunsthandwerk und kulinarischen Köstlichkeiten in ihren Bann. Gehobene musikalische Kost wird dagegen in den Sommermonaten aufgetischt, wenn in der großen Halle der Evers-Werft Veranstaltungen des Schleswig-Holstein Musikfestivals oder das Hafenkonzert des NDR gastieren. Das renommierte Festival Jazz Baltica findet im kommenden Sommer zwar eine neue Heimat – aber auch der Timmendorfer Kurpark ist ja nur einen guten Fußmarsch entfernt. Tausende Besucher bevölkern den Hafen traditionell über Pfingsten. Dann präsentieren rund 70 Kunsthandwerker, Künstler und weitere Aussteller hochwertig gearbeitete Einzelstücke. Der „Handgemacht“-Markt richtet sich an Menschen, die Schönes und Seltenes jenseits der Stange suchen. Besinnlich wird es immer zum ersten Adventswochenende. Bei Fischers Wiehnacht kann man sich mit individuellen Geschenken für das bevorstehende Weihnachtsfest eindecken oder bei einem heißen Punsch das Musikprogramm genießen. Wer wissen möchte, was sonst noch so los ist, schaut am besten bei der Hafen-Information vorbei.